Oscar aus Honduras berichtet von seinen Erfahrungen in Deutschland.
Mein Name ist Óscar Martínez, ich bin 27 Jahre alt und komme als internationaler Freiwilliger aus Honduras nach Deutschland. Heute möchte ich euch von einer Erfahrung erzählen, die mein Leben auf eine Weise verändert hat, die ich mir nie hätte vorstellen können.
Alles begann im September 2025, als ich mit vollen Koffern und einem Herzen voller Freude und Begeisterung in Deutschland ankam — bereit für ein Abenteuer, das Lernen, persönliches und berufliches Wachstum, neue Freundschaften und unvergessliche Erlebnisse versprechen sollte. Die ersten Schritte umfassten einen einmonatigen Einführungskurs in das Leben, die Kultur und die deutsche Sprache, begleitet von Gastfamilien, Mentorinnen und Mentorinnen sowie Mitfreiwilligen aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas und Afrikas. Gemeinsam entdeckten wir von Grund auf ein völlig neues öffentliches Verkehrssystem, Landschaften, Straßen, Häuser und Gebäude, die ganz andere Geschichten erzählten als die unserer Heimatländer: farbenfroh, geschichtsträchtig und von zeitgenössischer Kunst geprägt — ein erster Vorgeschmack auf die Vielfalt der Stadt, die uns ein ganzes Jahr lang beherbergen sollte.

Nach dieser ersten Eingewöhnungsphase begann ich meinen Freiwilligendienst im Kindergarten St. Georg — einem Ort, der mich mit offenen Armen empfing und voller Vorfreude auf das gegenseitige Lernen war. Diese Zeit ermöglichte es mir, interkulturelle Anpassungsfähigkeit, Geduld, Kreativität und Kommunikationsstärke in einem völlig neuen Umfeld zu entwickeln, mit Menschen jeden Alters. Die Kinder waren zweifellos meine besten Lehrerinnen und Lehrer: Durch Spiele, Bücher und alltägliche Gespräche brachten sie mir Deutsch auf eine lebendige und echte Weise bei. Jeder Tag mit dem Team des Kindergartens war eine beständige Lektion in Disziplin, Kreativität und Einfühlungsvermögen. Ich lernte auch, die Jahreszeiten zu genießen: Im Herbst im Laub zu spielen oder im Winter mit dem Schlitten über den Schnee zu gleiten — für jemanden aus Honduras, wo es keine vier Jahreszeiten gibt, waren das absolut einzigartige Erlebnisse. Diese Momente gemeinsam mit den Kindern und dem Team zu erleben, machte sie noch kostbarer — manchmal fühlte ich mich selbst wie ein Kind.

Über die Räume und Spielplätze des Kindergartens hinaus öffnete mir der Freiwilligendienst Türen zu einer viel weiteren interkulturellen Dimension. Durch Begegnungen, soziale Treffen und Seminare hatte ich die Möglichkeit, Freiwillige aus anderen Programmen und Ländern kennenzulernen — aber auch deutsche Freiwillige — und mit ihnen bereichernde Perspektiven zu lokalen und globalen Themen auszutauschen. Die freien Tage mit meiner Gastfamilie, meiner Mentorin und meinen Mitfreiwilligen weiteten meinen Blick auf die Welt und stärkten das gegenseitige Verständnis zwischen Kulturen. Ich lernte, mich an neue Umgebungen anzupassen, unterschiedliche Standpunkte wertzuschätzen und kreative Lösungen für Herausforderungen zu finden. All das war eine beständige Quelle der Motivation und Dankbarkeit, die mich durch dieses ganze Jahr getragen hat.
Während meines Aufenthalts in Deutschland hatte ich zudem das Glück, viele wunderschöne Orte innerhalb und außerhalb des Landes kennenzulernen. Ich war überwältigt von dem architektonischen, natürlichen und historischen Reichtum Deutschlands und Europas: der beeindruckende Kölner Dom, der Berliner Dom, der Main in Frankfurt und der Rhein in Düsseldorf, die malerischen Städtchen mit Fassaden, die einen in vergangene Epochen zu versetzen scheinen, und die Weihnachtsmärkte, die das Herz wärmen, wenn die Heimat in dieser Zeit besonders weit entfernt wirkt.
Natürlich gab es auf dem Weg auch Schwierigkeiten. Für jemanden, der aus einem tropischen Land wie Honduras kommt, war der Winter eine der größten Herausforderungen. Doch ich lernte, dass Kälte viel leichter zu ertragen ist, wenn man die richtige Kleidung trägt — und dass die majestätische Schönheit einer verschneiten Landschaft selbst die kürzesten und grauesten Tage in etwas Besonderes verwandeln kann. Auch besondere Feiertage wie Geburtstage, Weihnachten und Silvester fern von der Familie zu verbringen, war eine echte Herausforderung. Doch dank meiner Mitfreiwilligen, meiner Mentorin und meiner außergewöhnlichen Gastfamilie wurden diese Momente zu anderen, aber sehr bedeutungsvollen Erfahrungen.
Ab März 2026 nahm meine Erfahrung eine weitere bereichernde Wendung: Ich begann, bei Tatico Kaffee zu arbeiten, einer Kaffeerösterei, die Teil von Kolping ist und Kaffee aus Honduras, Mexiko und anderen Ländern importiert und verarbeitet. Dieser neue Bereich ermöglichte es mir, in die faszinierende Welt des Kaffees einzutauchen und gleichzeitig mit wunderbaren Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten, die mir Herzlichkeit erleichterten — sie lernten von mir, und ich von ihnen. Aber es war weit mehr als Rösten und Verpacken: Durch das Unternehmen konnte ich an Veranstaltungen der Kolping-Familie Deutschland teilnehmen, wie dem Katholikentag, sowie an Barista-Workshops, die das Unternehmen für Kolping-Familien aus verschiedenen Teilen des Landes anbot.
Alles in allem war dieses Freiwilligenjahr ein Weg voller persönlichem und beruflichem Wachstum. Es war nicht immer leicht — aber jede Schwierigkeit hat mich zu einer besseren Version meiner selbst gemacht: mit gestärkten sozialen, kulturellen und beruflichen Fähigkeiten und einem viel weiteren Blick auf die Welt. Ich kehre nach Hause zurück mit Erfahrungen, die für immer ein Teil von mir sein werden, mit Wissen und Kompetenzen, die meinen Weg bereichern werden, und mit Freunden und einer Familie im Herzen, die ich niemals vergessen werde.
Von ganzem Herzen: Danke, Deutschland.