Adriana aus Brasilien berichtet von ihren Erfahrungen in Deutschland.
Raus aus der Heimat, rein ins Abenteuer: Für ein Jahr hat Adriana Luiza de Oliveira Lopes ihr Zuhause in Brasilien hinter sich gelassen, um in Deutschland einen Bundesfreiwilligendienst zu absolvieren. Seit Anfang September ist die junge Brasilianerin nun hier. In Rüthen unterstützt sie die pädagogische Arbeit am Eulenspiegel, lernt eine neue Sprache un dentdeckt ein Land, dessen Alltag ihr noch ziemlich fremd ist.
Ein neues Leben auf Zeit
Bevor ihr Einsatz Anfang Oktober begann, verbrachte Adriana einen Monat in Paderborn. Dort besuchte sie einen Sprachkurs und bereitete sich auf ihre neue Aufgabe vor. Inzwischen wohnt sie inAltenrüthen und fährt täglich mit dem E-Bike zum Eulenspiegel. Ein Stück Alltag hat sie also schon gefunden.
Zunächst half Adriana vor allem in der Küche und arbeitete draußen mit dem Hausmeister.„Handwerkliche Tätigkeiten, bei denen nicht so viel gesprochen wird, sind momentan noch leichter für mich“, sagt sie. Denn Deutsch spricht und versteht sie noch nicht besonders gut, und auch auf Englisch verständigt sie sich bislang nur mit Mühe.
Dass sie trotzdem schon mitten im Geschehen ist, zeigte sich in den Herbstferien. Bei einem Camp unterstützte Adriana die Betreuung von 16 Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Sie entwickelte Aktivitäten und Bewegungsspiele und brachte dabei auch ihre eigenen Erfahrungen mit:„In Brasilien habe ich als Sportlehrerin gearbeitet und schon immer gerne mit Kindern zu tun gehabt.“
Und wie gehen die deutschen Kinder auf sie zu? Adriana hält kurz inne. „Einen Moment“, antwortet sie und spricht ihre Gedanken auf Portugiesisch in die Übersetzungsapp ihres Handys. Die Technik hilft, wenn die Worte fehlen. Weil die Verständigung noch nicht so gut klappt, seien manche Kindereher zurückhaltend. Andere wiederum seien neugierig und aufgeschlossen. Adriana hofft, dass sich das im Laufe ihres Aufenthalts verändert. Ihr Ziel: die deutsche Sprache immer besser zu beherrschen und am Ende ihres Einsatzes gut Deutsch sprechen zu können.
Von Brasilien nach Deutschland
Von dem Programm des Vereins „mundus Eine Welt“ erfuhr Adriana in Brasilien durch eine Studentin, die nach ihrem eigenen Bundesfreiwilligendienst zurückgekehrt war und begeistert davon berichtete. „Ich habe mich für die Möglichkeit, selbst ins Ausland zu gehen, eine andere Kultur kennenzulernen und Deutsch zu lernen interessiert“, sagt sie. Schließlich bewarb sie sich für das Auswahlverfahren – und bekam die Chance, ihren Plan Wirklichkeit werden zu lassen.
Ganz allein ist sie in Deutschland inzwischen nicht mehr. Zu fünf weiteren Brasilianern hat sie Kontakt. Und auch ihr Hobby hat sie nicht aufgegeben: Bei Lippstadt hat sie einen Verein gefunden, in dem sie Capoeira trainieren kann. Der Lehrer und zwei weitere Brasilianer machen es ihr dort leichter, sich heimisch zu fühlen.
Capoeira ist eine afro-brasilianische Kampfkunst, die Kampfsport, Akrobatik, Tanz und traditionelleMusik miteinander verbindet. In einem spielerischen Dialog begegnen sich die Beteiligten und verständigen sich dabei ganz ohne viele Worte.
Für das Haus am Eulenspiegel in Rüthen ist Adriana die erste Freiwillige des Vereins. Für sie ist es eine Gelegenheit, berufliche Erfahrungen zu sammeln und sich persönlich weiterzuentwickeln.Gleichzeitig bringt sie ein Stück Brasilien mit nach Rüthen.