Rebekka in Tansania
Auf Kiswahili, was hier in Tansania gesprochen wird, bedeutet das Wort Safari Reise. Ich finde es nett, darüber nachzudenken, dass eine Safari nicht nur eine Autofahrt im Jeep auf der Jagd nach den Big 5 ist, sondern jeder hier eine ganz eigene Safari bestreitet, wie ich mit meinem Freiwilligendienst.
Als ich mich vor über einem Jahr beim Mundus eine Welt e. V. beworben habe, wusste ich noch nicht, in welchen Teil der Welt es mich verschlagen würde. Bei unserem ersten Vorbereitungsseminar wurden uns alle Projekte vorgestellt und ich habe mich für das MLVTC, ein College im Westen Tansanias in der Nähe des Victoriasees, entschieden.
Das MLVTC bietet seinen Schülerinnen und Schülern eine zweijährige Berufsausbildung im IT- und Elektronikbereich, die ihnen nicht nur helfen soll, einen Job zu finden, sondern auch durch die Arbeit, die sie leisten, ihren Communitys helfen soll, Fortschritte in der Digitalisierung und Technik zu machen.
Diese Idee hat mich sehr fasziniert und ich habe mich sehr gefreut, als ich im Februar die Zusage bekommen habe, in das Projekt nach Tansania zu gehen.
Im August 2024 trat ich dann meine erste große Reise außerhalb von Europa nach Tansania an. Seitdem ist viel passiert, ich habe viel über mich selbst gelernt und viele Menschen kennengelernt.
Ich fand mich auf einmal an einem College in Muleba wieder. Muleba ist ein Ort, der irgendwo zwischen Dorf und Kleinstadt einzuordnen ist, mit lebendigen Straßen und endlos erscheinenden Bananenplantagen.
Als Deutsche, die es gewohnt war, alles in Supermärkten zu kaufen, kam mir dieser Ort zu Beginn wie ein einziger großer Markt vor, weil es hier so viele kleine „Shops“ gibt, in denen es alles – von Schlappen über Essen bis hin zu SIM-Karten – zu kaufen gibt.
Unweit vom Projekt, etwa 45 min zu Fuß, liegen die Klippen, hinter denen sich der Victoriasee bis an den Horizont zu erstrecken scheint.
Das Projekt selbst besteht aus einem Boys- und einem Girlsdormitory, zwei Klassenräumen, in denen die zwei Jahrgänge IT und Elektrikwissen beigebracht bekommen, und Wohnungen für die Lehrer und Freiwilligen.
In der ersten Zeit habe ich häufiger in der Küche geholfen, damit etwas abwechslungsreicher gekocht wird. Das war nett, obwohl sich die Kommunikation mit dem Koch manchmal etwas schwierig gestaltet hat, weil er gar kein Englisch sprach und ich zu dem Zeitpunkt auch kaum Kiswahili konnte. Nachmittags habe ich viel mit den Schülerinnen und Schülern getanzt, als Vorbereitung auf die Abschlussfeier, bei der von den Schülern jedes Jahr eine richtige Show hingelegt wird.
Ein paar Mal durfte ich auch mit einem der Lehrer zu benachbarten Schulen fahren, um dort Werbung für die Schule zu machen. Das hat mir immer besonders Spaß gemacht, weil es bedeutete, mit dem Piki-Piki (Motorradtaxi) lange Strecken durch die Natur in ganz neue Gegenden zu fahren.
Neben der Arbeit im Projekt hatte ich auch viel Zeit für mich. Dadurch, dass ich die erste Freiwillige im Projekt bin, mussten und müssen sich meine Aufgaben erst noch finden und einpendeln.
In dieser Zeit war ich ehrlicherweise auch viel frustriert und habe viel an meinen Stärken gezweifelt, weil vieles nicht so lief, wie ich es geplant hatte, und es sich manchmal so anfühlte, als ob einfach alles kopfsteht.
Ich habe also meine Lieblingsserien geschaut, gebastelt und die Gegend erkundet, obwohl es am Anfang auch ein bisschen überfordernd war, rauszugehen und Kontakt mit Menschen aufzunehmen. Die meisten Menschen hier sprechen wirklich sehr wenig bis kein Englisch, und als weiße Person bekommt man hier sehr viel mehr Aufmerksamkeit, wo man auch hingeht. Daran musste ich mich auch erstmal gewöhnen.
Nach der Graduation Ende November fingen dann schon fast die Weihnachtsferien an, in denen ich wegen des Visums und aus persönlichen Gründen über Weihnachten nach Hause geflogen bin und Silvester mit anderen Freiwilligen auf Sansibar feiern durfte. Im neuen Jahr ging es dann direkt zum Zwischenseminar nach Bagamoyo, der ehemaligen Hauptstadt Deutsch-Ost-Afrikas. Auf dem Zwischenseminar habe ich Mundus-Freiwillige wieder getroffen und neue Freiwillige aus Tansania und den Nachbarländern kennengelernt. Es war sehr bereichernd und inspirierend für mich und meinen eigenen Freiwilligendienst, von den anderen Freiwilligen und ihren Projekten, Problemen und Lösungen zu hören.
Nach dem Seminar habe ich noch mit zwei anderen Freiwilligen den Mt. Kilimanjaro bestiegen, was ein unglaubliches Gefühl war.
Als ich danach mit neuer Energie und neuen Inspirationen zurück in mein Projekt wollte, hatte das Schicksal einen anderen Plan für mich.
In Muleba war das Marburgvirus ausgebrochen, weshalb ich erstmal in der Kilimanjaro-Region geblieben bin und spontan in ein anderes Projekt ‚evakuiert‘ wurde.
Dort habe ich gut zwei Monate mit Brüdern in einem Orden gelebt und im Kinderheim des Projekts ausgeholfen. Ich wurde mit offenen Armen empfangen und habe dort durchs direkte Zusammenleben mit den Brüdern nochmal meine Kiswahili-Kenntnisse ein bisschen aufbessern können und vor allem begonnen, die Lebensweise und Denkweise der Menschen besser zu verstehen und mich damit anzufreunden.
Dazu kommt, dass Mabilioni, der Ort, in dem das Projekt der Brüder liegt, ein so kleiner Ort ist, dass man ihn nicht mal auf der Karte findet, und durch seine abgelegene Lage eine so ruhige und friedliche Atmosphäre hat.
Nach gut zwei Monaten war das Marburgvirus in Muleba aber zum Glück bewältigt und ich konnte wieder zurück nach Muleba. Hier hatte sich aber auch einiges geändert. Während meiner Abwesenheit gab es einen etwas unerwarteten Schulleiterwechsel.
Nach meiner Rückkehr habe ich deshalb erstmal viel im Office in der Verwaltung der Schule geholfen, was mir auch sehr viel Spaß machte und macht.
Ich habe auch gemerkt, dass ich mich mittlerweile an viele Aspekte des Alltags, mit denen ich vorher angeeckt bin, gewöhnt habe. So stört es mich nicht mehr so sehr, von vielen Seiten Mzungu (Weiße/r) hinterhergerufen zu bekommen, das Verhandeln auf dem Markt ist auch keine Herausforderung mehr und der gelegentliche Strom- oder Wasserausfall ist zwar immer noch nervig, aber kein Weltuntergang mehr.
In den Osterferien durfte ich zwei Freiwillige auf Madagaskar in ihrem Projekt besuchen, was mir noch einmal gezeigt hat, wie vielfältig Ostafrika ist, weil Madagaskar wunderschön ist, aber nicht unterschiedlicher von Tansania sein könnte, sowohl die Natur als auch die Menschen und die Lebensweise.
Als ich auf dem Rückweg mit dem Flieger gelandet bin, habe ich gemerkt, dass Tansania mittlerweile wirklich ein zweites Zuhause für mich geworden ist.
Seit meiner Rückkehr hat sich die Büroarbeit an der Schule etwas eingependelt und reduziert, weshalb ich jetzt wieder mehr Zeit habe, Sachen mit den Schülern zu machen und Freizeitangebote wie Spielenachmittage, Tanzen oder Filmabende anzubieten, die zwar noch etwas zögerlich angenommen werden, aber das wird sich sicherlich noch festigen.
Bis hierhin war mein Freiwilligendienst schon eine unglaubliche Reise, sowohl geographisch als auch persönlich. Ich habe mich mindestens genauso viel mit mir selbst wie mit den Menschen um mich herum beschäftigt. Jetzt habe ich noch fast drei Monate übrig und kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht und wie viel doch in ihr passiert.
Ich bin gespannt, wo mich meine Reise noch hinbringen wird …
